Rumänien - 2011

Rumänien 28. Juli bis 15. August 2011

 

Trimmis-Kufstein (28. Juli)

 

Unsere Reise nach Rumänien führte uns zuerst durch Österreich und Ungarn. Schon in Kufstein wurden wir abrupt gestoppt, da wir nach dem Mittagessen in der Schattenburg noch nicht genug Schnitzel gegessen hatten (vorallem Marc...). Ein super Schnitzel bei Gaby, einer ehemaligen Arbeitskollegin von Beate, und Happy Hans, stärkte uns noch ein letztes Mal vor dem "grossen Abenteuer" Rumänien und der Ungewissheit, ob wir nochmal etwas richtiges zu Essen bekommen.

 

Unsere Route in Rumänien:

 

 

 

Kufstein-Ungarn-Arad-Lipova-Retezat Nationalpark-Petrosani-Petrila (29.-31. Juli)

 

Nach sehr langer Anreise über Ungarn mit Übernachtung an der Donau und eingeschlafenem "Gasfuss" wegen fehlendem Tempomat sind wir dann in Rumänien angekommen. Wir überquerten bei Arad die Grenze und ich hätte am liebsten gleich wieder umgekehrt... Für mich war es doch ein grösserer Kulturschock als ich erwartet hatte. Überall bettelnde Zigeuner und es hat gestunken. Auf der Umfahrungsstrasse um Arad waren die Zigeuner an jeder roten Ampel doch sehr aufdringlich. Zum Glück gibt es Zentralverriegelung.

Wir fuhren dann nichts wie weiter ins Landesinnere auf der Suche nach einem Campingplatz. Wild campen wollte ich hier auf keinen Fall. Wir fanden dann auch einen Camping - eher Abstellplatz fürs Auto. Dort trafen wir auch eine deutsche Mutter mit ihrem Sohn, welche bereits eine Woche unterwegs waren und bis dahin immer wild gecampt hatten. Man sei nie alleine, berichteten sie. Nach spätestens 10 Minuten sei überall jemand aufgetaucht. Das kann ja heiter werden...

 

 

Am nächsten Tag fuhren wir ins Retezat Gebirge, ein Nationalpark in welchem es viele Bären und Wölfe geben soll. Über eine alte Strasse welche zum Staudamm hochführte, gelangten wir in das Gebiet. Leider endete das ganze in einer Sackgasse.

 

Auf dem Weiterweg und der Suche nach einem Nachtlager (immer noch mit dem Bestreben "wild" zu campieren) , fuhren wir von unserem Google Earth-GPS geleitet durch ein tolles Tal, wo wir dann über einen Pass zu einem See gelangen sollten. Nach einem Holzfällerlager, wo der Weg dann schon wirklich sehr schlecht war, endete unsere Fahrt in einem Bachbett. Der Weg ging wohl auf der anderen Seite noch weiter, aber die Spurrillen der Holzschlepper waren sicher etwa einen Meter tief. Also umkehren und 15 Kilometer über schlechte Strassen wieder zum Tal hinaus...

 

 

Schlussendlich fanden wir dann hinter einem Restaurant eine Möglichkeit zu übernachten.  

 

 

 

 

 

Cabana Mija-Lacu Vidra-Curmatura Oltetului(Pass)-Curtea des Arges  (1. August)

 

Weiter geht es über eine Strasse die alle Erzählungen über Schlaglochpisten für mich nun glaubhaft machen. ca. 50-60 Zentimeter tiefe Gräben sind keine Seltenheit. Trotzdem gibt es nicht wenige Autos die diese Strasse benutzen. Wir wundern uns.

Auf der Passhöhe finden wir dann die Erklärung. Eine nagelneue Strasse mit wunderbar glattem Belag führt von der anderen Seite auf den Pass!

Wir verlassen die Hauptstrassen wieder und zweigen beim Lacu Vidra ab und fahren über Holzerstrassen durch ein sehr schönes kleines Tal. Was für riesige Lastwagen die Rumänen für den Abtransport von diesen kleinen Strassen benutzen, ist erstaunlich. In der Schweiz würde man dafür extra einen Traktor einsetzen um bis zur nächsten Hauptstrasse zu gelangen. Hier fährt der 40-Tonner Sattelzug einfach bis tief in den Wald über Strasse bzw. Wege wie es sie in der Schweiz fast nirgends zu finden gibt.

In unserem Offroad-Führer (Stefan Meuwly- Off-Roadbook Südkarpaten) finden wir eine tolle Strecke auf einen kleinen Pass auf welchem es sehr toll zum Übernachten sei. Super unser erstes "Wildcampen" steht bevor!

 

 

 

 

Die Auffahrt ist wieder wunderschön. Die Strasse wird immer schlechter und nach dem letzten Holzlastwagen sehen wir auch keine Leute mehr. Wir freuen uns schon auf einen schönen Nachmittag und Abend auf der Passhöhe.

Doch was ist das? In den letzten Kehren vor der Passhöhe sehen wir schon von weit unten zwei Autos stehen. Was wir dann auf der Passhöhe sehen, lässt zumindest mir die Freude vergehen. Mindestens 50 Zigeuner, welche da oben ihr Lager aufgeschlagen haben. Einige kommen auch direkt auf uns zugerannt. Allen voran eine leicht behinderte, ältere Frau. Sie wollen etwas zu rauchen. Wir sind Nichtraucher...

"Hier steige ich nicht aus. Nichts wie weiter!", sage ich zu Beate. Ich habe die Schnauze voll. Ich frage mich wirklich wie die Zigeuner da hochgekommen sind, denn auf der anderen Passseite ist die Strasse noch viel schlechter.

Unser gemütlicher Nachmittag wird zu einer langen Fahrt bis in den Abend hinein, bis wir endlich einen kleinen rumänischen Campingplatz finden. Einer der besten -rumänisch geführten- auf unserer ganzen Reise.

 

 

 

Curtea des Arges-Lacu Viadru-Trans Fagaras-Sighisoara(Schässburg)-Biertan-Richies (2.-3. August)

 

Nach einem schönen Abend auf unserem "Notlösungs"-Campingplatz, wo wir ein nettes deutsches Paar im Fiat Ducato trafen und u.a. über Oldtimer diskutieren konnten, ging es für uns weiter Richtung der legendären Trans Fagaras Strasse. Ich war gespannt, wurde die Strecke doch schon in TopGear als beste Strasse der Welt vorgestellt.

Die Anfahrt war schön. Schon bald gelangten wir an einen riesigen Stausee, wo wir auch einen schönen Camping fanden (zumindest von der Lage her). Ein richtiger rumänischer Campingplatz: nicht sehr anmächelige sanitäre Einrichtungen, sehr laut bis tief in die Nacht hinein. Am Abend bekamen wir dann noch Gesellschaft von zwei jungen Deutschen, welche über die Ukraine und Moldawien eine Runde mit ihrem VW-Bus gemacht hatten.

Am nächsten Tag gings dann vorerst zusammen weiter bis auf die Passhöhe. Eine schöne Strecke, aber die beste bzw. schönste Strasse der Welt?

 

 

Wieder im Flachland angekommen befanden wir uns nun also im sogenannten Transsylvanien. Wir besuchten Schässburg (rumänisch: Sigishoara). Eine sehr schöne kleine Stadt, mit mittelalterlichem Flair. Wir befanden uns nun ja in Siebenbürgen, das früher sehr deutsch geprägt war (Siebenbürger Sachsen). Dies erkennt man sehr gut schon am Hausbau. Die Häuser sind viel schöner und grösser als wir es bisher gesehen haben. Wir fühlten uns hier schon etwas wohler.

Mittlerweile haben 95% der sächsischen Bevölkerung das Land verlassen, der Rest ist überaltert mit einem Durchschnittsalter bei ca. 60 Jahren. Daher kommt es auch, dass man fast keine deutschsprechenden Leute mehr trifft.

Nach der Besichtigung der Wehrkirche von Biertan, welche hier sehr typisch sind, suchten wir den kleinen Campingplatz eines Holländers in Richies. Dieser wurde uns vom Ducato-Pärchen empfohlen.

Der Camping lag sehr schön im Hinterhof eines alten Bauernguts mitten im kleinen Örtchen Richies. Der nette alte Holländer erzählte uns noch einiges über das Dorf und wie er dazu gekommen ist hierher zu ziehen.

 

 

 

Aus uns waren wieder zwei Deutsche mit einem Iveco 4x4 Camper da. Er laberte mich voll mit seinem Superfahrzeug, so dass ich schon fast Komplexe bekam mit unserem "kleinen, mickrigen" Patrol... Seine Frau war fast schon letargisch- kein Wunder um den Typ rum...

Sie gaben uns noch den Tipp für einen sehr schlechten Weg. Wir werden sehen.

 

 

 

 

Richies-Medias-Solvata   (4./5. August)

 

Weiter ging es immer durch schöne Hügellandschaften ähnlich wie in der Toscana. Wir besuchten noch Medias, auch ein schönes Städtchen, und fuhren dann nach Sovata. Dort soll es einige Salzseen geben. Wir fanden auch hier einen sehr schönen (holländischen) Campingplatz. Wir entschlossen uns gleich zwei Tage zu bleiben und uns etwas zu erholen vom ständigen Reisen/Fahren.

Die Salzseen sind sehr touristisch vermarktet. Der grösste, der Bärensee (Lacul Ursus) ist als Schwimmbad eingezäunt. Es war lustig anzusehen, wie die Riesenmenge Leute alle auf einmal ins Wasser stürmten, sobald dieser freigegeben wird (die Zeiten sind geregelt, damit sich der See erholen kann...)

 

 

 

Wir fanden dann etwas dahinter noch einen weiteren See, mit komischen schwarzen Gestalten. Die Leute schmierten sich mit Dreck ein und trockneten sich dann in der Sonne. Anschliessend wurde dann im stark salzhaltigen See gebadet. Wir gingen nur ins Wasser ohne die Schlammpackung. So einfach schwimmen konnte ich noch nie. Wie im Toten Meer muss man nichts machen und kann sich nur in Wasser legen. Schwimmen ist nicht wirklich gut möglich - die Füsse schlagen immer ins Leere...

 

 

 

 

Solvata-Hagota-Lacu Rosu-Bicaz Chei-Bacau-Darmanesti  (6.August)

 

Nach unserem Kuraufenthalt wollte ich mal wieder richtig in Gelände. Vorerst führten aber alle Wege in Sackgassen. Nach längerer Fahrt über verschiedene Dörfer und eine sehr schlechte Hauptstrasse, zweigten wir dann mal rechts ab und fuhren in eine sehr schönes Hochtal. Die Bauern waren ihre kleinen Felder am bearbeiten, alles von Hand, wie früher auch bei uns.

Auf der Karte gab es eine kleine Verbindungsstrasse in Richtung Lacu Rosu wo wir hin wollten. Nach einigen Kilometern war der Weg so stark ausgespült, dass es da nicht mehr weiterging. Eine Fahrzeugspur führte in den Bach. Also mal schauen wie es ausschaut und dann halt probieren. Zum Glück ging es ohne grosse Probleme da durch und anschliessend bis auf die Hauptstrasse. So machts Spass!

Lacu Rosu war wieder ein touristisch vermarkteter Platz, aber eigentlich nichts sehenswertes, also fuhren wir zügig weiter. Bicaz-Chlei, eine riesige Schlucht war schon eindrücklicher. Aber auch hier, Tourismus pur. Wir kauften uns an einem Stand ein Spiel dass uns die Abende in Zukunft verkürzen soll - Rummy-Cup.

Auf unserer Suche nach einem Nachtlager gelangten wir nach Bacau. Bei einer deutschen Flagge an einem schönen Einfamilienhaus versuchten wir unser Glück, ob wir allenfalls da übernachten könnten. Nein, einige Kilometer von hier hätte es einen Campingplatz. Gefunden haben wir nie was. Wir fuhren also bis in den späten Abend hinein bis auf einen weiteren holländischen Camping in Darmanesti.

 

 

 

Darmanesti-Onesti-Braila-Tulcea-Murighiol (Donaudelta)  (7./8. August)

 

Nun ging es also auf ins Donaudelta. Ursprünglich war das ja nicht auf unserer Planung. Die Landschaft auf der Anreise in Donaudelta änderte sich vom Gebirge aus dem wir kamen in flache, weite Ebenen. Bei Braila überquerten wir mit der Fähre die Donau. Man fühlte sich sofort in eine andere Welt versetzt. Sehr viel Wasser, mit Wasserrosen überwucherte Tümpel und vielen verschiedenen Vögeln. Landschaftlich war anfangs auch etwas Türkei dabei. Später erfuhren wir dass einige Dörfer von einer türkisch-stämmigen Minderheit bewohnt sind.

Über Tulcea gelangten wir dann in eine der östlichsten, per Fahrzeug erreichbaren Ortschaft im Donaudelta: Murighiol.

 

 

 

Wir trafen noch ein Pärchen aus Holland mit ihrem LandCruiser. Der Camping war nicht gerade der Beste und vorallem war die Besitzern nicht gerade sehr zuvorkommend...

Mit zwei Paaren aus Deutschland suchten wir eine Möglichkeit mit einem Boot mit Führer das Donaudelta zu erkunden. Zum Glück war Daniel in Siebenbürgen aufgewachsen und später nach Deutschland ausgewandert. Er konnte also perfekt rumänisch. So fanden wir sehr schnell einen Führer und zwar zu einem Bruchteil des Preises, den eine Tour beim Campingplatz gekostet hätte.

 


 

 

Am Morgen ging es dann um 6 Uhr los. Anfangs recht kühl und von Nebelschwaden überzogen, bot uns das Delta dann Einblicke und Erlebnisse die zum Besten unserer Rumänienreise gehören. Unendliche Weite, zahlreiche Vögel, verschiedenste Pflanzen, aber auch Fischer bei der Arbeit. Einfach nur wunderbar und jedem zu empfehlen! Ein wirkliches Naturparadies. Die Bilder sprechen für sich!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Murighiol - Jurilovca - Gura Portitei (8./9. August) 

 

Nachdem wir von unserem ca. vier stündigen Trip zurückgekehrt waren, verabschiedeten wir uns noch von unseren deutschen Kollegen und fuhren weiter in Richtung Süden ans Schwarze Meer. Ein "Luxusresort" auf einer Halbinsel war unser Ziel, von welchem wir in unserem Reiseführer gelesen hatten. Eine Hotelangestellte in Tulcea hatte Beate noch gesagt es sei sehr schön aber auch sehr teuer. Nun, für unsere westeuropäischen Verhältnisse war es mit 50 Euro pro Nacht pro Zimmer doch durchaus leistbar...

 

Nach einer 1 1/2 stündigen Fahrt mit einem alten Kutter gelangten wir auf das Luxus-Resort. Hier fanden sich wirklich schöne mit Schilfdächern gedeckte Häuschen entlang von einigen Kanälen. Der Strand der sich direkt hinter dem Ressort befand war sehr sehr schön. Und das beste daran: nicht überlaufen wie es anscheinend die restlichen Strände an der Schwarzmeerküste weiter im Süden sein sollen.

 

 

Wir genossen also unseren Tag "Luxus" in vollen Zügen. Endlich wieder ein richtiges Bett und abends einfach ins Restaurant sitzen zu einem guten Fischmenu. Auch mal schön, wobei auf Dauer wahrscheinlich nicht unser Ding...

 

 

Gura Portitei - Buzau - Sarata-Monteru - Brasov (9.-11. August)

 

Nach unserem Entspannungstag hiess es wieder Kilometer machen, so dass wir wieder in die Karpaten kommen. Unsere holländischen Freunde mit dem Landcruiser hatten uns den Tipp für eine schöne Offroadstrecke gegeben. Da wollten wir (oder war es vorallem ich?) natürlich unbedingt hin.

 

Durch die erst hügelige Landschaft auf der Halbinsel des Donaudeltas ging es zuerst auf sehr schönen und auch guten Strassen zurück zur Fähre welche uns wieder nach Braila brachte.

 

 

 

Anschliessend hatten wir diverse Campingplätze auf unserer Karte wo dann aber in Wirklichkeit keine Plätze waren. Wir fuhren also in einem ziemlich starken Zickzack-Kurs in Richtung Westen. In Buzau angekommen, ging es das erste Mal so richtig durch eine grosse Stadt. Wahhhh....

 

Einen Campingplatz fanden wir dann noch im Badekurort Sarata-Monteru. Praktisch niemand da, ausser eine Holländerin mit ihrem VW Bus. Wir hatten also wieder die Möglichkeit gute Tipps zu bekommen aber auch zu geben.

 

 

Die Schlammvulkane welche wir am nächsten Morgen als erstes ansteuerten, waren nicht wirklich spektakulär. Die Wege durch Ölfördergebiete waren da schon besser. Schliesslich fuhren wir durch eine schönes Tal mit einigen Interessanten Details, wie Gerüstbau so wie es die SUVA sicher nicht sehen möchte, Ladungssicherung à la Rumänien.

 

Auf einmal stand dann auch noch ein Golf quer in der Strasse mit der Vorderachse im Graben. Zuerst fuhren wir vorbei, wendeten dann aber doch noch und fragten ob wir helfen können. "Ja, gerne. Sie wollten wenden und sind dabei in den Graben gerutscht." Hilfsbereit wie wir sind, zogen wir den Golf mit der Seilwinde raus. Test bestanden. Unsere neuen rumänischen Freunde luden uns dann noch zu sich nach Hause ein. Das Barbecue schlugen wir dann allerdings aus und liessen es bei einem Drink sein. Nun, auf die Zigeuner waren sie auch nicht gut zu sprechen...

 

Da wir heute noch die Offroad-Strecke fahren wollten, mussten wir weiter. Es zogen schon sehr dunkle Wolken auf. Als wir das letzte Dorf vor diesem Abschnitt erreichten, begann es auch schon mit heftigen Regenfällen. Das kann ja heiter werden...

 

Es wurde richtig schön. Schön matschig! Hier waren die Löcher dann noch tiefer als bisher. Und das ganze auch noch mit viel Wasser gefüllt - wie im Urwald. Super!

 

 

Als wir den Offroadabschnitt hinter uns hatten, wäre ich am liebsten nochmals zurück gefahren. Durfte aber leider nicht :o(

 

Wir machten dann nochmal ordentlich Strecke bis kurz vor Brasov, wo wir auf einem Campingplatz übernachteten.

 

 

 

Brasov - Toplita - Calmani Nationalpark - Vatra Dornei (11. August)


Heute galt es nun zu meinem heimlichen Ziel zu gelangen, der Geisterstadt Neguto Romanesc. Per Zufall war ich vor einigen Jahren bei der Planung einer Motorradtour durch Rumänien auf Bilder dieser ehemaligen Sulfatabbau-Stadt gestossen. Alle Wohnblocks sind zerfallen, doch das ganze liegt in einem Nationalpark und auch Ceausescu hatte einen Villa als Ferienhaus erbauen lassen.

 

Nachdem der Regen auch über Nacht weiterhin angehaltend war, beschlossen wir einen Stadtrundgang in Brasov auszulassen und stattdessen direkt in den Norden zu fahren, wo das Wetter besser sein sollte. Auf unserer Karte sahen wir dass ein direkter Weg von Süd nach Nord von Toplita nach Vatra Dornei eingetragen war; allerdings nur als Feldweg. Laut den bisherigen Erfahrungen mit unserer Karte konnte das heissen dass da eine gute Strasse sein konnte oder auch einfach nichts. Nun, in Toplita tanken wir nochmals voll und auf ging es ins Gebiet des Nationalparks Calmani.

 

Der Anfang präsentierte sich als herrlicher, schlechter Fahrweg, vorbei an einer schönen Kirche und an einer recht neuen Blockhaussiedlung weit abgelegen von jeder Zivilisation mitten im Wald. Allmählich wurde der Weg immer ruppiger, soll heissen "schöner"...

 

 

Als wir aus dem Wald auf eine Hochebene kamen, beschlossen wir hier eine Mittagsrast zu machen. Wir kochten unsere Rösti und ich sagte noch zu Beate: "Das ist glaube ich das erste Mal, dass man so richtig allein ist hier in Rumänien". Kaum hatte ich das gesagt, hörte man etwas oberhalb auch schon ein Auto langsam heranfahren. Nirgendwo in Rumänien ist man länger als 10 Minuten allein...

Nachdem ein zweites Auto nachgekommen war, fuhren die beiden Autos uns entgegen und an uns vorbei über den wirklich sehr ruppigen Fahrweg. Wohlverstanden nicht mit irgendwelchen Geländewagen, sondern mit ganz normalen alten Dacia's, jeweils mit ca. 6- 8 Leuten gefüllt. Natürlich Zigeuner. Kurz darauf hielten wieder beide an. Nun kam auch noch ein Pferdefuhrwerk aus dem Wald dazu. Irgendwann sind die beiden Autos dann weitergefahren in die Richtung aus der wir kamen. Ich stellte mir schon vor wie sie wohl die ziemlich grossen Absätze in diesem Weg meistern wollen. Doch mit viel Gemurkse schaffen die Rumänen alles...

 

Nachdem wir dann schön in Ruhe fertiggegessen hatten, fuhren wir weiter hoch in Richtung Gipfel, immer noch in der Ungewissheit, ob der Weg wirklich durchgegehend befahrbar sein wird. Als wir dann die Grenze des Nationalparks definitiv erreicht hatten, stand da ein von Hand geschriebenes Schild. Soviel wir entziffern konnten, stand da etwas von einer Busse von bis zu 60000 Lei bei Befahrung mit einem Motorfahrzeug. Geteilt durch 4 ergibt? 15000 Fr. Hoppla! Nun, da wird schon niemand kontrollieren - wir fuhren weiter. Drei Tage später erfuhren wir dann, dass diese Angabe noch in alten Lei war. Um das umzurechnen, muss man zuerst mal 4 Nullen streichen und dann durch vier teilen = sFr. 1,50. Das tönt doch schon besser!

Auf der Höhe angekommen, hatten wir herrliche Blicke in Richtung Norden in den verlassenen Bergbau und zurück Richtung Süden über die sanften Hügel der Karpaten.

 

 

Schliesslich erreichten wir dann unsere Geisterstadt. Alles war noch etwas stärker zerfallen als auf den Bildern in Google Earth. Als ich dann die Häuser anschauen wollte und um einen Ecke auf einen Platz hochfuhr, was sehen meine Augen? Natürlich wieder eine Schar Zigeuner die am Boden herumlungerten. Nein, auch hier steige ich nicht aus. Zu suspekt ist mir dieses Volk. Ich will jetzt nicht rassistisch sein, aber wie schön wäre Rumänien ohne dieses "Problem"...

 

Wir fuhren dann also weiter Richtung Vatra Dornei wo wir übernachten wollten. Doch was ist das? Mitten in der Strasse eine Schranke. Weder links noch rechts ist ein durchkommen. Beate sieht dann jedoch schnell dass das Vorhängeschloss nur eingehängt ist und springt rasch raus und öffnet mir die Barriere. Von mir unbemerkt rennt auch schon ein Wächter heran und sagt zu Beate: "you not!". Anscheinend hat das Gelände eine deutsche Firma gekauft und versperrt den Zugang von Norden her. Gut dass wir den Weg von Süden gefunden haben und gut dass das Schloss offen war, ansonsten hätten wir zirka 4 Stunden zurückfahren müssen. Glück gehabt!

 

 

Vatra Dornei - Schloss Dracula (Borgo Pass) - Vatra Dornei - Rarau - Moldovita - Borsa (12. August)

 

Heute galt es nun den "extremen" Fahrweg unseres Iveco-Freundes zu befahren.

 

Zuerst wollte ich aber noch den Borgo Pass aus dem Roman "Dracula" besuchen. Dort gibt es allerdings nur ein relativ neues Hotel und eine Statue des Autors Bram Stroker. Nicht wirklich empfehlenswert.

Auf dem Rückweg nach Vatra Dornei wollten wir von einer Frau am Strassenrand Beeren kaufen. Als sie den Preis nannte, liessen wir es schlussendlich bleiben; so teure Beeren gibt es wahrscheinlich nirgendwo auf der Welt...

 

Die brutal, extreme, haarsträubende Iveco-Route zeigte sich als einspurige, nicht geteerte, aber gut ausgebaute Bergstrasse mit gelegentlich etwas in den Weg reinhängenden Äste und einem Stein der auch etwas in die Strasse ragte. Janu, trotz seiner Topausrüstung fährt unser Iveco-Freund wahrscheinlich eher normale, gut ausgebaute Strassen...

 

 

Auf der Passhöhe angekommen, gab es wiedermal einen etwas aussergewöhnlichen, handgeschriebenen Wegweiser. Wir liefen dann noch einige hundert Meter bis zu einem Aussichtsfelsen hoch, von wo wir wieder den ganzen Süden den wir hinter uns gebracht hatten überblicken konnten. Das Gebiet ist sicher ein tolles Wander- und Klettergebiet, wird aber wohl sehr bald überlaufen werden, denn die neue, breite Zugangsstrasse von Norden her ist schon fast fertiggestellt.

 

Wir bevorzugten dann aber doch die alte Strasse um Richtung Norden zu den Moldauklöstern zu gelangen. Der Vorteil: praktisch kein Verkehr und immer wieder die Möglichkeit offroad etwas abzukürzen...

 

Stellvertretend für die vielen Moldauklöster besuchten wir das von verschiedenen Leuten die wir getroffen hatten empfohlene Kloster von Moldovita. Schönes Kloster, aber nur wegen den Klostern müsste ich jetzt nicht da hin fahren. Jedem das Seine...

 

 

Da wir am nächsten Tag mit der Wassertal in Viseu de Sus fahren wollten, überquerten wir noch den Prislop Pass um nach Borsa zu gelangen, wo es wieder einen holländischen Campingplatz geben sollte. Im Aufstieg zum Pass mussten wir dann das zweite Mal Pannenhilfe leisten. Eine rumänische Familie hatten einen kapitalen Getriebeschaden an ihrem Audi (man fährt auch keinen Audi! Mal ein Tipp vom Automobil-Ingenieur!!!). Wir schleppten sie dann bis auf die Passhöhe.

 

In Borsa angekommen, fanden wir dann den "Campingplatz", welcher sich als Einfamilienhaus mit Campingmöglichkeit im Garten herausstellte. Wir fanden dann noch etwas Platz direkt vor dem Haus, direkt an der Dorfstrasse. Wir füllten uns auch hier nie allein...

Wir trafen dann aber immerhin einige nette Leute. Ein Pärchen aus der Tschechei und einen Burnout-geplagten Österreicher, der mit seinem VW-Bus unterwegs war. Mit ihnen unterhielten wir uns gut beim Grillieren, Bier und Wein. Beide rieten uns von der Wassertalbahn ab.

 

Zwei Holländer welche hier ihr neues Business machen wollen und auf Rekognoszierungstour für Motorrad-Offroadtouren waren, rieten uns direkt nach Borsa nördlich ins Hinterland zu fahren. Auch gut, müssen wir so wenigstens nicht früh am Morgen schon wieder aufstehen um rechtzeitig nach Viseu de Sus zu kommen.

 

 

Borsa - Sapanta - Oradea - Ungarn - Österreich - Trimmis (13.-15. August)

 

Nach einigem Offroad-Spass im Hinterland von Borsa wo wir unseren Patrol in einem Schlammloch fast versenkt und auf die Seite gelegt hatten, fuhren wir durch schöne kleine Dörfer durch die Gegend, bis wir am späten Nachmittag schliesslich Sapanta, bekannt vom "lustigen Friedhof", erreichten. 

Hier hatte es erstaunlich viele Offroader aus Polen und Tschechien. Anscheinend scheint es eine "gute" Gegend zu sein.

 

 

Nach dem obligaten Besuch der Sehenswürdigkeit "Lustiger Friedhof" genossen wir dann unseren Campingplatz. Leider gesellten sich spät am Abend noch einige "laute Zeitgenossen" direkt neben unseren Standplatz.

 

 

 

Unser letzter Offroadabstecher in Richtung Süden, Richtung Baja Mare, erwiess sich leider als Sackgasse. Bäume lagen über der Strasse usw. Also zurück. Die Polen die uns begegneten hatten natürlich Motorsägen dabei und fuhren im Convoi. Die richtige Reiseart wenns extremer sein soll. Uns zog es aber immer mehr wieder nach Hause. Also fuhren wir über ein "sehenswerte Strasse" nach Westen Richtung Oradea. Die Strasse war wirklich schön und auch speziell. Einmal fuhren wir durch ein Dorf wie es ärmlicher nicht sein könnte. Im nächsten Dorf hatte es nur supermoderne, neue Einfamilienhäuser mit schwarz getönten Fensterscheiben und an jeder Ecke stand ein neuwertiger S-Klasse Mercedes, BMW X6, M6, 7er Limousine und einmal sogar ein strahlend-weisser Ferrari 360 Modena... Rumänien, ein Land der Gegensätze, Tradition und Moderne.

 

Wir verliessen dann Rumänien und machten ordentlich Strecke bis an einen Campingplatz im Westen von Ungarn.

 

Am 15. August überquerten wir schon am Vormittag die Grenze zu Österreich in Nickelsdorf und gelangten gegen Abend wieder zuhause in Trimmis an.

 

Rumänien landschaftlich ein sensationell schönes Land, leider mit einigen Schönheitsfehlern, wie fehlender Abfallbewirtschaftung und einem ethnischen Minderheitenproblem, den Romas.

 

 

 

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