Über mich

Mein Leben ist grösstenteils gewöhnlich und doch aussergewöhnlich verlaufen und ich hoffe es wird auch so weitergehen. Ich mag Veränderungen. Ich will nicht still stehen. Sobald ich zu sehr in eine Situation, einen Job hineingewachsen bin, so dass es für mich zwar gemütlich wird, aber auch langweilig, verliere ich das Interesse daran. Ich will immer Neues kennenlernen, auch wenn ich mich dabei aus der "Komfortzone" hinausbegeben muss.

 

 

Ich startete mein "Leben" ganz normal mit dem Besuch der Mittelschule, mit der Aussicht dann irgendetwas zu studieren. Daneben bin ich zu dieser Zeit sehr erfolgreich Radrennen gefahren. So bekam ich ein Jahr vor meinem Abschluss an der Mittelschule ein Angebot professionell Rad zu fahren. Ich musste nicht lange überlegen und wollte schauen wie weit ich komme. Nach zwei Jahren musste ich entscheiden, wieviel mir eine Radkarriere wirklich wert ist. Wollte ich wirklich, den letzten Schritt gehen, welcher für die Spitze nötig gewesen wäre? Ich entschied mich dagegen, hatte ich doch schon einige Jahre überlegt, wie ich entscheiden würde, wenn an irgendeinem Tag diese Frage gestellt würde.

 

In der Zwischenzeit hatte ich mir aber auch überlegt, was ich denn nun studieren möchte. Automobiltechnik bzw. Fahrzeugbau war zu meinem Favoriten gereift. Da ich dazu aber eine Ausbildung in einem Automobilberuf vorweisen musste, war der kürzeste Weg für mich eine Berufslehre und gleichzeitig die Berufsmaturität abzulegen. Diese meisterte ich auch mit Bestnoten und der Weg war nun frei für das Studium der Automobiltechnik.

 

An der Berner Fachhochschule in Biel hatte ich eine harte, aber auch schöne Zeit. Das Thema für meine Diplomarbeit durfte ich selbst wählen. Ich konstruierte einen Gitterrohrrahmen für einen Sportwagen basierend auf Porsche 928 Teilen. Ich investierte sehr viel Zeit und Herzblut in diese Arbeit. Der Aufwand wurde insofern belohnt, als meine Arbeit zur Besten unseres Jahrganges ausgezeichnet wurde. Eine kurze Zusammenfassung der Arbeit findet sich hier.

 

Während Recherchen zu meiner Diplomarbeit kam ich in Kontakt mit der Firma GRITEC, welche gleich in meinem Nachbardorf ansässig war. Ich ging an einem Samstag mal unverbindlich vorbei und lief dann mit einem Arbeitsvertrag im Sack wieder nach Hause. Maschinenbau war nun angesagt. Da der Maschinenbau und der Fahrzeugbau sehr eng verwandt sind, hatte ich nicht gross Mühe damit. Ich arbeitete dann die meiste Zeit auswärts bei der Firma HILTI in der Entwicklung.

 

Nach etwa anderthalb Jahren las ich eine Stellenausschreibung, in welcher eine Fachlehrperson für die Automobiltechnik an der Berufsschule, wo ich die Lehre gemacht hatte, gesucht wurde. Ich meldete mich und wurde gleich eingestellt, im Teilpensum. Fortan arbeitete ich bei der GRITEC im Vollpensum und in einem Teilpensum an der Berufsschule. Das Pensum an der Berufsschule wurde aber sehr schnell hochgeschraubt. So entschloss ich mich dann voll auf die Karte Berufsschule zu setzen.

 

Die ersten paar Jahre an der Berufsschule hatte ich viel Arbeit mit der Zusammenstellung der Unterlagen für meinen Unterricht, doch dann bekam ich wieder etwas Luft. Bei mir bedeutet das: es wird mir langweilig. Veränderung gesucht!

 

Ich arbeitet dann ein Konzept aus für einen Freifachkurs mit Lehrlingen aus verschiedensten Berufen, mit welchen ich ein Auto bauen wollte. Der Freifachkurs war ein voller Erfolg und ich hatte wieder Freude, an dem was ich machte. Einen kurzen Artikel zur Präsentation des Autos findet sich hier.

 

Nun war ich fix vorgesehen als Nachfolger für meinen eigenen Fachlehrer, bei welchem ich die Lehre absolviert hatte. Davor wollte ich aber noch etwas erleben. Ich fragte um ein zweijähriges Sabbatical, um zusammen mit meiner damaligen Freundin die Panamericana von Alaska bis Feuerland mit dem Geländewagen zu erfahren. Es wurde bewilligt! Die Planung und Vorbereitung konnte beginnen.

 

Leider kam vor unserer Abreise noch eine persönliche Tragödie dazwischen. Meinem Vater wurde völlig unerwartet ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert. Nur drei Monate später verstarb er. Bei seinem Tod, sagte ich mir: "ich will meine Träume jetzt verwirklichen!". Mein Vater sagte oft: "Wenn ich dann pensioniert bin, dann gehe ich nochmals nach Kanada, dann mach ich das und das...". Er kam nicht mehr dazu.

 

Wir starteten dann unsere Reise trotzdem im Sommer 2012. Doch ich kam nie wirklich ins Reisen. Die Gedanken um meinen Vater waren sicher ein Punkt, der mich ablenkte, doch noch mehr, mein Job zuhause, um welchen mich soviele Leute beneideten. Sollte ich nicht zuhause arbeiten und Geld verdienen, anstatt das Geld hier auf dieser Reise so "unnütz" auszugeben?!? Es war folglich sicher nicht gerade toll mit mir zu Reisen...

 

Nichtsdestotrotz hatten wir sehr schöne Momente auf dieser Reise. Jetzt wo ich darauf zurück blicke. Doch damals, in diesem Moment war es nicht so. In Costa Rica trennten sich die Wege meiner damaligen Freundin und mir. Sie reiste weiter und gelangte schlussendlich nach Feuerland und sogar in die Antarktis. Ich jedoch ging nach Hause und begann wieder zu unterrichten.

 

Schnell wurde mir klar, dass es doch nicht das ist, was ich mein Leben lang machen wollte. Zuwenig Abwechslung, zuwenig Herausforderung. Doch was mache ich dann?

 

Schon einige Jahre zuvor habe ich eine Dokumentation über den "Appalachian Trail" gesehen, welche mich begeistert hatte. Doch ich war kein Wanderer, ich war ein von Rädern besessener Mensch! Rennrad, Mountain Bike, Motorrad, Geländewagen. Das waren meine Fortbewegungsmittel. Jetzt überlegte ich mir diesen Schritt zu wagen, zu Fuss von Georgia bis Maine zu laufen. Dabei auch meinen Kopf frei zu bekommen. Mehr als 3500 Kilometer zu Fuss. Für mich damals unvorstellbar.

 

Davor machte ich noch eine Motorradreise durch Skandinavien und Russland. Am Nordkap traf ich einen Wanderer, welcher nach sechs Monaten Wanderung - gestartet in Südschweden - gerade sein Ziel erreicht hatte. Nun war ich definitiv überzeugt: ich gehe nächsten Frühling auf den Appalachian Trail!

 

Am 20. März 2015 war es dann soweit. Ich stand am Fuss des Springer Mountains, dem offiziellen Startpunkt des Appalachian Trails. Nun, dieser Trail hat meine Einstellung zum Leben, was ist mir wirklich wichtig, meine Art des Reisens und Lebens völlig verändert. Ich darf wohl ohne zu übertreiben behaupten, dass dieser Trail mein Leben völlig auf den Kopf gestellt hat! Und das Beste: ich habe wieder gelernt auf mein Innerstes zu hören. Ich habe dieses Wandern so sehr genossen, dass ich einige Male mitten in der Wildnis laut gejauchzt habe vor Glück!

 

Ich hoffe mein Leben geht in diesem Stil weiter wie es jetzt ist, denn zum erstenmal sehe ich keine Langeweile in der näheren Zukunft aufkommen. Ich bin frei und alles ändert sich dauernd wieder! Ich bin glücklich!